
Wenn in diesen Tagen über die Trockenheit in unserer Region gesprochen wird, dann geht es vornehmlich um den viel zu niedrigen Rhein-Pegel – weil dieser vor allem verheerende wirtschaftliche Folgen hat. Doch auch in anderen Gefilden macht sich die Dürre bemerkbar, zum Beispiel am Altrhein im Naherholungsgebiet Urdenbacher Kämpe.
Auch sind viele Bereiche ausgetrocknet. Lediglich ein paar „Pfützen“ sind übrig geblieben. Was macht das mit dem Ökosystem einer ansonsten florierenden Auenlandschaft? Wir haben mit der Biologischen Station Düsseldorf/Kreis Mettmann gesprochen.
Was die Trockenheit für Fische, Amphibien, Insekten und Pflanzen bedeutet
„Gerade in Verbindung mit den hohen Temperaturen ist das natürlich eine Belastung für viele (vor allem aquatische und semiaquatische) Tiere“, sagt uns der Geschäftsführer Julian Oymanns. Zwar sei es nicht ungewöhnlich, dass der Altrhein zeitweise wenig Wasser führt oder trockenfällt: „Schwankende Wasserstände und auch das zeitweise Trockenfallen einzelner Bereiche gehören grundsätzlich zu diesem Lebensraum, und die Arten der Auenlandschaft sind auch an diese Zustände angepasst.“
Allerdings werde die Situation vor allem dann schwierig, wenn das Wasser im Boden über längere Zeit fehlt.
Welche Auswirkungen hat die Dürre auf die Tier- und Pflanzenwelt?
„Besonders junge Pflanzen und Arten, die auf feuchtere Standorte angewiesen sind, können unter der Trockenheit leiden. In besonders trockenen Jahren, in denen die Vegetation besonders lückig ist, können Probleme mit Neophyten (also nicht heimischen Pflanzenarten) zusätzlich verstärkt werden indem Sie sich stellenweise weiter ausbreiten.“
Wenn es in den Hitzejahren obendrein relativ wenig regnet, könnten auch die heimischen Bäume unter Trockenheit und Hitzestress leiden und sogar absterben.
Auch der Lebensraum für Fische, Amphibien und viele Wasserinsekten schrumpft, erläutert der wissenschaftliche Leiter weiter: „Gleichzeitig erwärmt sich das verbleibende Wasser stärker und kann weniger Sauerstoff enthalten. Für die dort lebenden Tiere bedeutet das zusätzlichen Stress.“
Soweit müsse es aber nicht kommen: „Man sollte nicht jedes trockenfallende Gewässer gleich als ökologischen Schaden betrachten. Viele Arten in einer Auenlandschaft sind an wechselnde Wasserstände angepasst. Gerade diese Dynamik macht den Lebensraum aus.“
Wie schnell kann sich das Ökosystem wieder erholen, wenn die Hitzeperiode vorbei ist?
Doch nicht jede ausgetrocknete Wasserfläche bedeutet gleich eine Katastrophe für die Natur: „Das hängt sehr stark davon ab, wie sich das Wetter anschließend entwickelt. Ein kräftiger Regen kann die obersten Bodenschichten relativ schnell wieder anfeuchten. Damit sind aber die tieferen Bodenschichten und die Wasserreserven nicht automatisch wieder aufgefüllt“, so Oymann. „Viele Pflanzen können eine solche Trockenphase durchaus überstehen und sich nach ausreichendem Regen wieder erholen. Bei einzelnen Tieren oder Pflanzen, die eine extreme Trockenperiode nicht überstehen, sieht es natürlich anders aus. Eine Auenlandschaft kann sich grundsätzlich gut regenerieren. Das ist eine ihrer großen Stärken. Aber auch ein solches Ökosystem hat Grenzen. Wenn auf eine Trockenperiode direkt die nächste folgt, wird die Erholung schwieriger„.
Problematisch werde es auch, wenn solche trockenen und heißen Phasen „sehr lange andauern oder immer häufiger auftreten“, erklärt der Wildtierökologe: „Dann bleibt dem System weniger Zeit, sich zwischen den einzelnen Belastungen zu erholen. Wenn sich Trockenphasen häufen, kann das auf Dauer zu Veränderungen in der Tier- und Pflanzenwelt führen.“
Entscheidend sei nicht nur eine einzelne Hitzeperiode, sondern die Entwicklung über mehrere Jahre: Bereits in 2018, 2019 und 2022 gab es mehrere ausgeprägte Trockenphasen, 2023 und 2024 folgten sogar die beiden „wärmsten Jahre seit Beginn der Messungen“, wobei es 2024 recht viele Niederschläge gab.
Was kann die Biologische Station in der aktuellen Situation tun?
„Unsere wichtigste Aufgabe ist zunächst, genau hinzuschauen und die Entwicklung zu beobachten. Wir kennen viele Bereiche der Urdenbacher Kämpe seit Jahren und können dadurch Veränderungen auch über längere Zeiträume einordnen“, sagt der Gebietsbetreuer der Urdenbacher Kämpe. „Dabei geht es auch darum, zwischen einer natürlichen Entwicklung und einer tatsächlichen problematischen Veränderung zu unterscheiden. Ein trockenfallender Bereich am Altrhein ist beispielsweise nicht automatisch etwas, gegen das man etwas unternehmen muss. Die natürliche Dynamik gehört zu diesem Lebensraum dazu. Der Urdenbacher Altrhein wurde bewusst wieder stärker an die natürlichen Prozesse einer Aue angebunden. Deshalb wollen wir diese Prozesse grundsätzlich zulassen und nicht jede Veränderung verhindern.“
Sollte sich allerdings herausstellen, dass bestimmte Arten oder Lebensräume dauerhaft unter den veränderten Bedingungen leiden, muss die Biologische Station eine neue Strategie erarbeiten.
„Wir müssen davon ausgehen, dass wir uns auch in Zukunft häufiger mit solchen Wetterlagen beschäftigen werden. Für uns bedeutet das vor allem, die Widerstandsfähigkeit der Landschaft zu erhalten“, sagt Julian Oymann. „Die Urdenbacher Kämpe ist dafür ein gutes Beispiel. Eine naturnahe Auenlandschaft kann mit wechselnden Bedingungen grundsätzlich besser umgehen als ein stark reguliertes und künstlich festgelegtes System. Hochwasser gehört genauso dazu wie Niedrigwasser und zeitweise trockenfallende Bereiche. Gleichzeitig dürfen wir nicht übersehen, dass sich die Rahmenbedingungen verändern. Wenn Trockenheit und Hitze häufiger und länger auftreten, kann das auch für ein gut angepasstes Ökosystem zu einer zunehmenden Belastung werden.“
Ziel sei es daher, natürliche Strukturen und Prozesse so weit wie möglich wiederherzustellen und zu erhalten, um so viel Wasser wie möglich in der Landschaft zu halten: „Je naturnäher und vielfältiger ein Ökosystem ist, desto besser kann es mit wechselnden Umweltbedingungen umgehen. Gerade angesichts des Klimawandels ist es daher wichtig, der Natur möglichst viel Raum für ihre eigene Dynamik und Anpassungsfähigkeit zu geben.“
Bericht: KA
Foto: anzeiger24.de
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