
Der geplante Innovationscampus an der Philipp-Reis-Straße war ein Leuchtturmprojekt der früheren CDU-Mehrheit unter Bürgermeister Frank Schneider. Sieben Neubauten mit Büros, Hotel, Kita, Gastronomie und virtuellen Erlebniswelten sollten Langenfeld überregional bekannt machen. Das Investitionsvolumen wurde mit 110 bis 130 Millionen Euro angegeben.
Ende 2022 verkaufte die Stadt das rund 20.000 Quadratmeter große Grundstück an eine Projektgesellschaft um Investor Philipp Tecklenburg und die 7th Group. Bis 2026 sollte der Campus fertig sein. Doch gebaut wurde bislang nicht.
Der Kipppunkt: Streit um Fristen und Vertrag
Zum Bruch kam es, als die Stadt erklärte, Tecklenburg habe die vereinbarte Frist zur Einreichung der Bauanträge nicht eingehalten. Deshalb sei eine sogenannte aufschiebende Bedingung nicht eingetreten und der Grundstückskaufvertrag letztlich unwirksam.
Tecklenburg zog dagegen vor Gericht und gewann in erster Instanz. Das Gericht entschied, dass der Kaufvertrag fortbesteht. Die Stadt hat Berufung eingelegt. Ende derzeit offen.
Damit befindet sie sich möglicherweise in einer defensiven Position: Sie möchte das bisherige Projekt offenbar nicht mehr, kann über das Grundstück wegen des weiter bestehenden Kaufvertrages aber auch nicht frei verfügen.

Neuer Bürgermeister will anderes Konzept
Nach der vorliegenden Korrespondenz soll Bürgermeister Gerold Wenzens dem Investor bereits im Januar erklärt haben, dass die Stadt kein Interesse mehr daran habe, den Campus durch Tecklenburg verwirklichen zu lassen. Stattdessen gebe es eine neue Planungsidee für das Gelände.
Wie diese aussieht und warum die Stadt von dem einst gefeierten Konzept Abstand nehmen will, wurde bislang nicht öffentlich erläutert. Denkbare Gründe sind der jahrelange Stillstand, der schwierige Immobilienmarkt und wirtschaftliche Probleme im Umfeld des Investors. Belegt ist ein unmittelbarer Zusammenhang allerdings nicht.
Bemerkenswert bleibt: Obwohl die Stadt das Projekt in der bisherigen Form offenbar nicht mehr will, forderte sie Tecklenburg vorsorglich auf, die Bauanträge erneut einzureichen. Der Investor kündigte daraufhin an, den Campus weiterhin realisieren zu wollen.
Zwei Insolvenzen im Tecklenburg-Umfeld
Die wirtschaftliche Situation des Investors ist erklärungsbedürftig. Zunächst geriet die traditionsreiche Tecklenburg GmbH aus Straelen 2024 in die Insolvenz. Sie wurde später mit Unterstützung der Geiger Gruppe neu aufgestellt.
2025 folgte die Insolvenz der von Philipp Tecklenburg gegründeten WESTGARD GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung. WESTGARD war als Projektentwickler des Langenfelder Campus vorgesehen.
Vertragspartnerin der Stadt ist allerdings die eigens dafür gegründete eigenständige IM Langenfeld Philipp Reis GmbH (Stammkapital 25.000 €). Aber kann diese Gesellschaft ein Projekt dieser Größenordnung finanzieren und verwirklichen?
CDU und FDP verlangen unabhängige Prüfung
Nach der Niederlage vor Gericht wollen CDU und FDP das Verwaltungshandeln durch das Rechnungsprüfungsamt untersuchen lassen. Geprüft werden sollen der Kaufvertrag von 2022, spätere Vertragsänderungen und Fristverlängerungen sowie die juristische Begleitung.
Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:
- Wurden Verträge und Fristverlängerungen rechtmäßig vereinbart?
- Hätten Änderungen möglicherweise notariell beurkundet werden müssen?
- Wurden Fristen und finanzielle Risiken ausreichend kontrolliert?
- Welche Gerichts-, Anwalts- und Beratungskosten sind entstanden?
- Wurden Rat und Ausschüsse rechtzeitig beteiligt?
CDU und FDP erheben damit noch keinen Schuldvorwurf. Sie wollen aber klären, ob Fehler bei Vertragsgestaltung, Fristenkontrolle oder politischer Beteiligung dazu geführt haben, dass die Stadt heute in einer schwierigen Lage steckt.
Aus dem einstigen Leuchtturmprojekt ist damit ein juristischer und möglicherweise kostspieliger Problemfall geworden. Entscheidend ist nun, ob die Stadt aus dem alten Vertrag herauskommt und welchen Preis sie dafür möglicherweise zahlen muss.
Quelle: Stadt Langenfeld
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de
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