CO₂-Pipeline: Neuer Zündstoff für Sorgen und Streit?

Klimaschutz oder Risiko? OGE informierte über das Projekt – doch es herrscht Skepsis – Erinnerungen an die CO-Pipeline werden wach

Wird dieses Projekt das nächste Streitthema rund um eine Rohrleitung? Wie berichtet, plant die Open Grid Europe GmbH (OGE) aus Essen eine Pipeline zum Transport von Kohlenstoffdioxid (CO₂). Was verbirgt sich hinter der Delta Rhine Corridor (DRC)?

Darüber informierte das Unternehmen am Montag, 24. August 2026, in der Schützenhalle in Langenfeld-Richrath.

Klar dürfte sein: Dieses Vorhaben wird sicherlich nicht geräuschlos durchgeführt. Das zeigen die Erfahrungen mit der umstrittenen CO-Pipeline der Covestro AG (ehemals BayerMaterialScience).

 

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Warum soll eine CO₂-Leitung gebaut werden?

OGE erklärt dazu: Bis 2045 will Deutschland „klimaneutral“ werden. Das bedeutet laut Definition der EU: Es müsse ein „Gleichgewicht zwischen Kohlenstoffemissionen und der Aufnahme von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in Kohlenstoffsenken“ hergestellt werden. „Um Netto-Null-Emissionen zu erreichen, müssen alle Treibhausgasemissionen weltweit durch Kohlenstoffbindung ausgeglichen werden.“

 

CO₂ ist zwar in der Natur allseits präsent (Atmung, Pflanzen und Wälder, Meere etc.), trage aber zur Erderwärmung bei. Das sagt die Klimaforschung.

Und gerade große Industriebetriebe stoßen viel CO₂ aus, was sich auch nur schwer vermeiden lasse. Also, so sagt die OGE, müssen die Emissionen „aufgefangen, transportiert und sicher genutzt oder gespeichert“ werden. Und das soll die neue Pipeline leisten.

Das sei nicht nur ein Beitrag zum Klimaschutz, sondern auch zum Erhalt der Arbeitsplätze in der Industrie.

 

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Es werde sogar schon daran geforscht, das gespeicherte CO₂ irgendwann industriell nutzen zu können, heißt es weiter. Auch das könne zur Klimaneutralität einen Beitrag leisten.

 

Wo verläuft die Trasse?

Die Trasse beginnt in Gelsenkirchen-Scholven und verläuft bis Duisburg-Süd. Ab dort geht ein Strang über Krefeld nach Venlo, eine zweite Abzweigung führt über Düsseldorf und Teile des Kreises Mettmann (Hilden, Langenfeld und Monheim) über Leverkusen nach Köln-Wesseling.

 

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Geplanter Trassenverlauf rund um Hilden

 

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Geplanter Trassenverlauf rund um Langenfeld, Monheim und Leverkusen

Quelle: OGE

 

Die Leitung hat eine Gesamtlänge von 200 Kilometern (65 Kilometer Duisburg – Venlo und 135 Kilometer Gelsenkirchen – Duisburg – Kreis Mettmann – Köln).

 

Welche Industriebetriebe sollen sich anschließen?

Entlang der Trasse können Unternehmen aus den Sparten Chemie, thermische Abfallbehandlung sowie Verarbeitung von Kalk, Stahl, Papier u.ä. ihre Emissionen an die Leitung abführen.

Wer sich für einen Anschluss entscheidet, muss dann entsprechende Entgelte an die OGE zahlen. So wird das Projekt finanziert.

 

Kritik: Eingriffe in die Natur, Gefahren für die Menschen und Unsicherheit bei der Technik

Aufgrund der Erfahrungen mit der CO-Pipeline sind viele Menschen hellhörig und stutzig geworden. Und diese Stimmung war auch bei der Infoveranstaltung teilweise zu hören.

Denn die Kritik, bzw. die besorgten Fragen wiederholten sich hier:

  • Der Bau der Rohrleitung sei ein Eingriff in die Natur.
  • Auch in diesem Fall seien Privatgrundstücke betroffen. Wird es zu „Enteignungen“ kommen?
  • Wie sicher ist die Rohrleitung?
  • Im Gegensatz zu Kohlenmonoxid (CO) ist Kohlendioxid (CO₂) kein toxisches Gas, bei dem der Mensch beim Einatmen sofort versterben kann.
    Aber: Je nach Konzentration kann es zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Atemnot, Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit oder gar Atemstillstand führen. Eine Kohlendioxidkonzentration über 12 Prozent ist außerdem tödlich.
  • Dieter Donner, bekannt als Aktivist bei der Initiative gegen die CO-Pipeline, ist daher auch in diesem Fall alarmiert. Er zitiert aus einem WDR-Bericht vom November 2018. Damals seien bei einem Unfall einer Firma in Mönchengladbach 50 Tonnen CO₂ ausgetreten. Die Folgen für die benachbarte Bevölkerung: Viele Menschen hätten Sauerstoffmangel erlitten und mussten im Krankenhaus behandelt werden.
  • Befürchtet wird außerdem, dass die Begleitstoffe bei den Kohlenstoffdioxid-Einfuhren gefährliche chemische Reaktionen auslösen könnten.

  

Wie also will die OGE solche Szenarien vermeiden?

 

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Technische Sicherheit

  • Die Leitung werde nach dem „technischen Regelwerk des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfachs e.V. (DVGW) geplant. Dieses schreibe die Anforderungen an Material, Konstruktion, Betrieb etc. vor.
  • Weitere Vorgaben stehen im Kohlenstoffdioxid Speicher- und Transportgesetz (§4a Abs. 3) und Energiewirtschaftsgesetz (§49).
  • Die Leitung werde so ausgelegt, dass sie „alle zu erwartenden Belastungen (Innendruck, Druckstöße, Druckschwankungen, Zusatzlasten) standhält und dauerhaft dicht bleibt“, erklärt OGE.
  • Die Kunststoffumhüllung erhalte einen kathodischen Korrosionsschutz.
  • Es werde ein Schutzstreifen eingerichtet, der regelmäßig kontrolliert werde.
  • Vor Inbetriebnahme werde eine Festigkeits- und Dichtheitsprüfung durchgeführt.
  • An diversen Stellen werden Überwachungseinheiten und Meldestellen eingerichtet.
  • Ein Integritätsmanagement kontrolliere den ordnungsgemäßen Zustand.
  • Durch umfangreiche Tests werde im voraus erforscht, welche Begleitstoffe ausgeschlossen werden sollen, um den notwendigen Reinheitsgrad zu erreichen

 

Eingriffe in die Natur

  • OGE erklärt, die Eingriffe in die Natur „so gering wie möglich zu halten“.
  • Allerdings werden auch Flächen für Baumaschinen und abgetragene Bodenschichten benötigt. Dabei werden die gesetzlichen Vorschriften, das berufsgenossenschaftliche Regelwerk und weitere Vorgaben beachtet.
  • Geotextilien sollen den Boden schonen und stabilisieren.
  • Der Arbeitsstreifen solle nach den Bauarbeiten wieder „landschaftlich nutzbar“ gemacht werden – Ausnahme: Auf dem Schutzstreifen dürfe nichts mehr gebaut werden.
  • Als Ausgleich für gefällte Bäume u.ä. solle es Ersatzpflanzungen und Rekultivierungen geben.
  • Durch eine Beteiligung der Gemeinden, Umweltverbände, Betroffenen etc. solle erörtert werden, welche Lösung am „verträglichsten“ ist.

 

Private Grundstücke

  • Ja, es kann passieren, dass auf privaten Grundstücken gebuddelt werde, bestätigt ein OGE-Vertreter im Gespräch mit anzeiger24.de. Und: Die Verlegung der Leitung werde auch ins Grundbuch eingetragen.
  • Von „Enteignung“ wolle das Unternehmen aber nicht sprechen. Vielmehr wolle es das Gespräch mit Betroffenen suchen, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wenn „Existenzen gefährdet“ werden sollten, würde es keine Enteignung geben.
  • In einem Rechtsstreit müsse aber ein Gericht entscheiden, welche Seite Recht bekommt.

 

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Wie geht es nun weiter?

Das Projekt ist erst am Anfang. Es steht ein langer Weg bevor, auch wegen der zu erwartenden Widerstände und Proteste.

Im Herbst sollen die ersten Raumordnungsunterlagen erarbeitet werden. Danach folgen weitere Schritte wie Raumverträglichkeitsprüfung und Planfeststellungsverfahren – wahrscheinlich begleitet und gefolgt von Klageverfahren.

Die OGE strebt eine Inbetriebnahme in 2033 an.

 

Bericht: KA

Fotos: anzeiger24.de

 

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