
Eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Langenfelds, das ehemalige ara-Gelände, geht in die entscheidende Phase. Rund um Hans-Sachs-Weg und Zur Schlenkhecke wächst jedoch der Widerstand. Es geht um zusätzlichen Verkehr, 18 Bäume, Parkplätze und mögliche Kosten für die Anwohner. Am 10. September muss sich der Bau- und Verkehrsausschuss deshalb erneut mit dem Verkehrskonzept beschäftigen.
Es war eigentlich klar, dass eines der größten Bauprojekte in Langenfeld nicht ohne Streit und Diskussionen über die Bühne gehen würde. Auf dem ehemaligen ara-Gelände an der Hardt soll in den kommenden Jahren ein neues Stadtquartier entstehen. Die alten Fabrikhallen verschwinden bereits und damit rücken nun die ganz praktischen Folgen der Neubebauung in den Vordergrund.
Vor allem die künftige Verkehrsführung sorgt für Diskussionen. Anwohner des Hans-Sachs-Weges befürchten, dass ein erheblicher Teil der Belastungen des neuen Quartiers bei ihnen landet.
Vom Fabrikgelände zum neuen Stadtquartier
Die Entwicklung des ara-Areals beschäftigt Langenfeld bereits seit mehreren Jahren. Gemeinsam mit dem ehemaligen Neumann-&-Büren-Gelände gehört es zu den bedeutendsten städtebaulichen Entwicklungsflächen der Stadt. Stadt und Stadtentwicklungsgesellschaft hatten dafür einen Planungs- und Beteiligungsprozess gestartet. Vorgesehen ist auf dem ara-Areal ein neues Quartier mit einer Mischung aus Wohnen und ergänzenden gewerblichen Nutzungen. Die Stadt hatte bereits 2024 ausdrücklich eine intensive Bürgerbeteiligung angekündigt.
Inzwischen wird aus der Planung Realität. Ende Mai konnten Bürger bei einer „Letzten Runde“ noch einmal das ehemalige Industrieareal besichtigen. Danach begann der Rückbau.

Der Konflikt beginnt vor der Haustür
Mit der konkreteren Planung stellt sich nun eine entscheidende Frage: Wie wird das neue Quartier verkehrlich erschlossen?
Nach dem am 30. Juni im Bau- und Verkehrsausschuss vorgestellten Verkehrskonzept soll die bisherige Straßenverbindung Zur Schlenkhecke nicht in ihrer heutigen Funktion erhalten bleiben. Der Verkehr soll stattdessen unter anderem über den Hans-Sachs-Weg geführt werden.
Dafür müsste dessen südlicher Abschnitt zwischen Zur Schlenkhecke und Gladbacher Straße so ausgebaut werden, dass dort künftig Zweirichtungsverkehr möglich ist. Und genau hier setzt die Kritik der Anwohner an.
18 Bäume sollen weichen
Nach den in der Ausschusssitzung vorgestellten Planungen müssten für den Ausbau des Hans-Sachs-Weges offenbar 18 Bäume gefällt werden. Zwar sollen im neuen Quartier Grünflächen entstehen und neue Bäume gepflanzt werden. Für die vorhandene Nachbarschaft bedeutet das zunächst jedoch den Verlust bestehender, großer Bäume unmittelbar an der Straße. Gerade angesichts zunehmender Hitzeperioden dürfte dieser Punkt in der weiteren politischen Diskussion eine wichtige Rolle spielen.
Hinzu kommt die Sorge vor zusätzlichem Verkehr. Wenn Zur Schlenkhecke als durchgängige Verbindung entfällt, könnte sich Verkehr auf den Hans-Sachs-Weg verlagern. Damit verbunden sind Befürchtungen hinsichtlich Lärm, Verkehrssicherheit und Parkraum. Noch ungeklärt beziehungsweise zumindest für die betroffenen Bürger nicht ausreichend transparent erscheint zudem, in welchem Umfang bestehende Stellplätze durch den Straßenausbau verloren gehen könnten.
Das betrifft dann nicht nur die Anwohner. Auch das benachbarte Unternehmen CPA Software Consult ist auf eine funktionierende Erschließung angewiesen. Das Unternehmen beschäftigt nach den vorliegenden Angaben rund 85 Mitarbeiter sowie weitere externe Kräfte und nutzt zusätzliche Stellplätze auf dem ehemaligen ara-Areal. Diese werden mit dessen Neubebauung wegfallen.
Besonders heikel: Anwohner könnten zur Kasse gebeten werden
Politisch besonders brisant ist ein weiterer Punkt: Beim südlichen Hans-Sachs-Weg handelt es sich offenbar um eine erstmalige Herstellung der Straße. Damit könnten Kosten auf die Grundstückseigentümer zukommen. Nach den bislang bekannt gewordenen Planungen soll sich die Stadtentwicklungsgesellschaft mit 50 Prozent beteiligen.
Für die Betroffenen ergibt sich damit eine ungewöhnliche Konstellation: Sie befürchten durch das neue Quartier mehr Verkehr vor ihrer Haustür und könnten gleichzeitig an den Kosten für den Straßenausbau beteiligt werden. Gerade dieser Punkt dürfte noch erheblichen Erklärungsbedarf erzeugen.
Anwohner schlagen Alternative vor
Aus der Nachbarschaft kommt deshalb der Vorschlag, die Verkehrsplanung noch einmal zu verändern. Danach könnte der Hans-Sachs-Weg Einbahnstraße bleiben beziehungsweise werden und Zur Schlenkhecke als verkehrsberuhigte Verbindung zur Bergischen Landstraße erhalten werden. Dadurch soll verhindert werden, dass sich der Verkehr einseitig auf den Hans-Sachs-Weg konzentriert. Auch aus der CDU kommt Unterstützung für eine Lösung, bei der Zur Schlenkhecke weiterhin durchgängig befahrbar bleibt.
Damit geht es inzwischen nicht mehr um die grundsätzliche Frage, ob das ara-Gelände entwickelt wird. Der Konflikt dreht sich vielmehr darum, wie die Auswirkungen des neuen Quartiers auf seine bestehende Nachbarschaft verteilt werden.
Kuriosum im Ausschuss: Beschluss wurde gar nicht gefasst
Bemerkenswert ist auch der politische Ablauf der Sondersitzung vom 30. Juni. Eigentlich sollte der Ausschuss das vorgestellte Verkehrskonzept als Grundlage für die weitere Planung und den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur beschließen. CDU und FDP beantragten jedoch zunächst eine Vertagung. Dieser Vertagungsantrag fand keine Mehrheit. Wegen eines Formfehlers wurde anschließend allerdings auch über den eigentlichen Beschlussvorschlag nicht mehr ordnungsgemäß abgestimmt.
Das Verkehrskonzept ist damit politisch noch nicht endgültig abgesegnet. Die Entscheidung soll nun im Bau- und Verkehrsausschuss am 10. September nachgeholt werden.
Ara-Großprojekt steht jetzt vor seiner schwierigsten Phase
Die Entwicklung des ara-Geländes ist damit an einem entscheidenden Punkt angekommen. Über das städtebauliche Grundkonzept wurde längst entschieden, der Rückbau läuft und die Stadtentwicklungsgesellschaft treibt das Projekt voran. Die schwierigeren Diskussionen beginnen aber häufig erst dann, wenn aus Plänen konkrete Veränderungen vor der Haustür werden.
Beim ara-Gelände geht es deshalb inzwischen um sehr greifbare Fragen: Wo fahren künftig die Autos? Welche Bäume bleiben stehen? Wie viele Parkplätze verschwinden? Wie stark steigt die Verkehrsbelastung und wer bezahlt den notwendigen Straßenausbau?
Spätestens am 10. September wird sich zeigen müssen, ob Politik und Verwaltung am bisherigen Verkehrskonzept festhalten oder ob die Kritik aus der Nachbarschaft noch zu Veränderungen führt.
Quelle: Stadt Langenfeld
Bericht: LT
Fotos/Video: anzeiger24.de
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