A3 Leverkusen–Hilden: Ist der achtspurige Ausbau überhaupt noch zu rechtfertigen?

Warum genügt nicht die Freigabe des Standstreifens wie zwischen Hilden und Mettmann?

***Leitartikel***

Mehr als 500 Millionen Euro soll der achtspurige Ausbau der A3 zwischen Leverkusen und Hilden nach bisherigem Stand kosten (dagegen wehren sich die angrenzenden Kommunen). Begründet wurde er 2016 mit steigenden Verkehrszahlen. Doch inzwischen gibt es einen bemerkenswerten Befund: Zwischen Hilden und Mettmann fahren bereits heute so viele Autos wie für die ausgebaute A3 einst erst für 2030 prognostiziert wurden und dort reichen drei Spuren plus ein zeitweise freigegebener Standstreifen.

 

Damals war die Rechnung folgendermaßen: Auf der A3 waren rund 120.000 Fahrzeuge täglich unterwegs. Für 2030 erwarteten die Planer rund 129.000 Fahrzeuge. Dafür sollte die Autobahn dauerhaft auf vier Fahrstreifen je Richtung verbreitert werden.

Doch heute, zehn Jahre später, stellt sich die Frage: Sind die Annahmen von damals noch geeignet, um heute einen mehr als 500 Millionen Euro teuren Vollausbau mit erheblichen Belastungen für Umwelt und Natur zu rechtfertigen?

 

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Hilden–Mettmann zeigt, dass es auch eine Nummer kleiner geht 

Inzwischen gibt es interessante Vergleichszahlen, die wir von der Autobahn GmbH angefordert haben. Zwischen dem dreispurigen Abschnitt Hildener Kreuz und Mettmann wurden danach durchschnittlich 

2023: 136.291 Fahrzeuge täglich
2024: 136.787 Fahrzeuge täglich
2025: 134.095 Fahrzeuge täglich 

gemessen.

 

Diese Verkehrsmenge wird durch die temporäre Freigabe des Standstreifens inklusive einer Temposteuerung bewältigt. Nach Angaben der Autobahn GmbH steht die zusätzliche Fahrspur im Durchschnitt rund sechs Stunden täglich zur Verfügung.

 

Mehr als 500 Millionen oder rund 59 Millionen Euro? 

Damit bekommt die Diskussion, ob ein Vollausbau erforderlich ist oder eine Standstreifenfreigabe ausreichen könnte, neue Nahrung. Zumal sich die Kosten der beiden Varianten ganz erheblich unterscheiden. Der achtspurige Vollausbau wurde bereits 2023 mit mindestens 531 Millionen Euro veranschlagt. Eine zuvor untersuchte Lösung mit temporärer Seitenstreifenfreigabe lag dagegen lediglich bei rund 59 Millionen Euro.

 

Beide Zahlen werden bis zu einem tatsächlichen Baubeginn weiter steigen. Aber es bleibt ein gewaltiger Unterschied, ob die Ausgangsbasis knapp 60 Millionen oder mehr als eine halbe Milliarde Euro beträgt. Hinzu kommen beim Vollausbau jahrelange Baustellen, zusätzlicher sensibler Flächenverbrauch und erhebliche Belastungen insbesondere für Leverkusen, Langenfeld und Hilden.

 

Ausgerechnet die entscheidenden Daten fehlen 

Der Abschnitt Hilden–Mettmann zeigt, dass die Seitenstreifenlösung auch bei mehr als 130.000 Fahrzeugen täglich funktioniert. Für eine umfassende Analyse fehlen allerdings wichtige Daten.

Die Autobahn GmbH erfasst nämlich weder systematisch Staus trotz freigegebenem Seitenstreifen noch unfallbedingte Staus, Pannen auf der zusätzlichen Spur oder die tatsächliche Nutzung der Nothaltebuchten.

 

Die bisherige Planung gehört auf den Prüfstand 

Angesichts dieser Zahlen und Erkenntnisse darf eine rund zehn Jahre alte Grundsatzentscheidung nicht einfach fortgeschrieben werden. Bevor mehr als eine halbe Milliarde Euro in den achtspurigen Ausbau investiert, zusätzliche Fläche verbraucht und die Region über Jahre mit einer Großbaustelle belastet wird, müssen die Erfahrungen zwischen Hilden und Mettmann systematisch ausgewertet und die wesentlich günstigere Seitenstreifenlösung für Leverkusen–Hilden neu geprüft werden.

 

Die Zahlen rechtfertigen nicht automatisch den Verzicht auf den Vollausbau. Sie rechtfertigen aber sehr wohl die Forderung, die damalige Entscheidung noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und ernsthaft zu untersuchen, ob die kleinere Lösung mit temporärer Standstreifenfreigabe ausreichen könnte.

 

Bericht: LT

Archivfotos: anzeiger24.de

 

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